Bunthäuser Spitze: Wo Hamburg die Elbe umgebaut hat
Shownotes
Ein winziger Leuchtturm, ein jahrhundertelanger Streit ums Elbwasser und ein Ort, an dem sich die Elbe in zwei Flüsse teilt: Die Bunthäuser Spitze im Süden Wilhelmsburgs ist eines dieser Hamburger Ziele, an denen man schon hundertmal vorbeigefahren sein könnte, ohne ihre Geschichte zu kennen. Ein perfekter Spot für die nächste Fahrradtour – mit überraschend vielen Geschichten im Gepäck.
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00:00:00: Im Herbst wird es wirklich mal wieder Zeit, sich aufs Rad zu setzen und ein paar Spots in Hamburg zu erkunden.
00:00:06: Dafür geht's heute an einen Ort den erstaunlich viele Hamburger gar nicht kennen – ganz im Süden von Willemsburg zur Bundhäuser Spitze!
00:00:14: Und wenn ihr da noch nie wart, das lohnt sich, denn auf den ersten Blick gibt's dort eigentlich gar nicht so wahnsinnig viel, Daich, Wiesenschilf, Wasser natürlich auch und am Ende eine ziemlich kleinen grünen Leuchttour.
00:00:27: Aber genau dieser Ort hat für die Geschichte Hamburgs eine erstaunlich große Bedeutung.
00:00:31: Fangen wir mal mit der Lage an!
00:00:33: Die Bundhäuser Spitze liegt ganz im Südosten von Willemsburg, genauer gesagt in Morveda bei Elbkilometer sixhundertnein.
00:00:40: und hier passiert etwas das man sich auf der Karte zu selten bewusst macht – die Elbe teilt sich.
00:00:46: aus einem Fluss werden hier die Nordelbe und die Süderelbe.
00:00:50: erst fünfzehn Kilometer später kommen beide Arme wieder zusammen.
00:00:54: Dazwischen entsteht das Hamburger Binnendelter mit Willemsburg und den anderen Elbinseln.
00:00:59: Die Norder Elbe führt Richtung Hamburger Innenstadt- und Landungsbrücken, die Süder Elbe Richtung Harburg.
00:01:05: Und genau diese Aufteilung war mal ein echtes Politikum!
00:01:09: Denn ursprünglich war die Süderelbe der deutlich wichtiger Hauptarm der Elbe – dort floss mehr Wasser und das war für Hamburg ein Problem Denn Schiffe, die von Osten die Elbe herunter kamen, konnten nämlich einfach über die Süderelbe Richtung Haburg fahren und Hamburg eben ganz links liegen lassen.
00:01:25: Und damit konnten Händler unter anderem den Hamburger Abgaben und den Folgen des Stapelrechts entgehen.
00:01:30: Hamburg fand das Erwartungsgemäß eher so mittel.
00:01:33: Deshalb kauft sie die Stadt bereits treibtenhundertfünfundneunzig Mordwerder und sicherte sich damit die Kontrolle über diesen strategisch wichtigen Punkt der Elbe.
00:01:42: Dort wurde sogar ein Wachschiff verankert!
00:01:44: Die Aufgabe war recht eindeutig, den Schiffverkehr kontrollieren und möglichst dafür sorgen dass die Schiffe die Nordrällberichtung Hamburg nahmen.
00:01:52: Später wurde aus dem Wachschiff ein festes Wachhaus und dieses Gebäude wurde das bunte Haus genannt.
00:01:58: Daher kommt tatsächlich der Name Bundhaus und damit auch Bunthäuser.
00:02:01: Spitze.
00:02:03: Hamburg beließ es allerdings nicht dabei, Schiffe umzuleiten.
00:02:06: Die Stadt fing irgendwann an gleich den ganzen Fluss umzubauen.
00:02:09: Seit dem siebzehnten bzw verstärkt seit dem frühen achtzehten Jahrhundert wurden hier sogenannte Starks also Boon gebaut.
00:02:16: die sollten die Strömung verändern und mehr Wasser in die Nordelbe lenken.
00:02:20: dahinter steckt natürlich handfeste Wirtschaftspolitik.
00:02:24: mehr wasser in der Norderelbe bedeutete bessere Bedingungen für den Hamburger Hafen.
00:02:28: Jetzt fanden Haarburg und die anderen Elben an Rainer das naturgemäß weniger überzeugend.
00:02:33: Die heutige Bundhäuser-Spitze ist deshalb letztendlich das Ergebnis eines Jahrhunderten langen Streits darüber, wo das Wasser der Elbe eigentlich entlang fließen soll.
00:02:42: Im neunzehnten Jahrhundert versuchte man schließlich das Ganze verbindlich zu regeln.
00:02:47: In den letzten Jahren wurde der erste Teil des Bundhäusers Leiddampfs gebaut – im ersten Jahr wurde er noch einmal um rund vierhundert Meter verlängert.
00:02:55: Das Ziel war jetzt nicht mehr Harburg das Wasser abzudrehen, sondern eine möglichst gleichmäßige Verteilung.
00:03:00: Also ungefähr fünfzig Prozent Nordelbe, fünfzig prozent Süderelbe.
00:03:05: und jetzt kommt einer meiner Lieblingsfun Facts.
00:03:07: natürlich musste man irgendwie auch überprüfen ob es tatsächlich funktioniert.
00:03:11: heute kann man Strömungsgeschwindigkeit mit moderner Messechnik erfassen.
00:03:15: früher weil die Methode etwas Personal intensiver könnte man sagen Man ließ Holzschwimmer ins Wasser, beobachte sie von Booten aus und stoppte die Zeit.
00:03:25: Für eine solche Messaktion waren zeitweise rund sechzig Personen zwölf Boote und vier Backkassen im Einsatz.
00:03:31: Das Ganze konnte morgens gegen vier Uhr beginnen und bis abends um neun dauern!
00:03:35: Und angeblich waren diese Einsätze bei den Mitarbeitern gar nicht unbeliebt.
00:03:39: Das gab überstotten, vergleichsweise entspannte Arbeit, Zeit zum Klönen oder auch gute Verpflegung.
00:03:44: Man könnte sagen Hamburg betrieb jahrzehntelang ein ziemlich aufwendiges Betriebsausflugsystem nur mehr rauszufinden wohin die Elbe eben fließt.
00:03:52: Heute übernehmen solche Aufgaben natürlich Messanlagen.
00:03:55: Unter anderem lässt sich die Strömung auch per Ultraschall bestimmen und Schallsignale werden dadurchs Wasser geschickt und aus den unterschiedlichen Laufzeiten mit und gegen die Strömmung lässt sich Fliesgeschwindigkeit berechnen.
00:04:05: Jetzt haben wir mal Schluss mit der Messtechnik.
00:04:07: Wenn ihr jetzt mit dem Rad tatsächlich da seid und mal ganz nach vorne fahren habt bzw das letzte Stück läuft, dann steht dort das Wahrzeichen der Bundhäuser Spitze – das Leuchtfeuerbundhaus!
00:04:17: Und leuchtturm klingt jetzt irgendwie etwas monometaler als das Gebäude.
00:04:21: ist was da steht Das?
00:04:22: nämlich ein kleiner grüner Holzturm, der ist gerade einmal sechs Meter fünf neunzig hoch und damit ist er einer der kleinsten und ungewöhnlichsten Leuchttürme Hamburgs.
00:04:30: Gebaut wurde in den Neunzeneuhr-Dreizehn im Betrieb ging er in den vierzehn.
00:04:34: Seine Aufgabe war es, den Schiffen genau diese wichtige Fahrwassertrennung zwischen Norda und Süderelbe zu markieren.
00:04:40: Und obwohl der Turm selbst nicht mal sieben Meter hoch ist, lang seine Feuerhöhe bei knapp fünfzehn Meter – dafür braucht das eben auch keine gigantische Lichtanlage!
00:04:48: Im Inneren leuchtet er tatsächlich einfach zwei Glühbien mit jeweils sechzig Watt durch die Gürtellinse auf die Elbe.
00:04:55: Zwei Sechzig-Watt-Bier für einen der wichtigsten Flussknoten Hamburgs.
00:04:59: Bis März, war das Leuchtfuhr in Betrieb.
00:05:02: Danach übernahm Tonnen und später moderne Navigations- und Messsysteme seine Aufgaben – der kleine Turm, der blieb aber bestehen!
00:05:09: Und zum achthundertsten Hamburger Hafengeburtstag, wurde er restauriert und steht seit dem Jahr zweitausendfünf unter Denkmalschutz.
00:05:17: Ich finde diesen Spot halt auch so interessant weil es sehr viel Kontrast gibt.
00:05:20: Hinter einem liegt Hamburg mit fast zwei Millionen Einwohnern, Hafenindustrie und Autobahnen.
00:05:25: Und vor allem liegen jetzt hier Schilf-, Wasser- und die beiden Arme der Elbe.
00:05:29: Die Bundhäuserspitze Gehörzur beziehungsweise liegt in der geschützten Auenlandschaft obere Tiedeelbe.
00:05:36: In der Umgebung gibt es Röhrechte, Tiedeaun und zahlreiche Vogelarten.
00:05:40: Und ganz in der Nähe liegt außerdem das Holken Lock mit einem der letzten Tiedenaudenwälder Europas.
00:05:46: Und vielleicht ist das genau das Interessanteste an dem Ort Die bunterse Spitze, die sieht heute nach Natur aus.
00:05:51: Tatsächlich ist sie gleichzeitig ein Stück mittelalterliche Handelspolitik, Ingenieurskunst, Hafenwirtschaft und Hamburger Stadtgeschichte.
00:05:58: Hamburg kauft ihr vor mehr als sechshundert Jahren Land um Handelschiffe zu kontrollieren.
00:06:03: Dann wurde über Jahrhunderte versucht einen ganzen Fluss zur Gunsten des eigenen Hafens umzulenken Und später ließ man Dutzende Menschen mit Holzstücken und Stoppor in die Strömung messen Und am Ende stellte man einen nicht mal sieben Meter hohen Holzturm Mit zwei Sechzig Wattglybien hin Um den Schiffnen den richtigen Weg zu zeigen.
00:06:19: Und genau deshalb finde ich, die buntöse Spitze ist ein guter Spot für eine kleine Ferratur.
00:06:24: Wenn man dort heute auf dem Deich steht wo er links die Nordelbe und rechts die Süderelbe sieht schaut man eigentlich auf einen Ort an dem über Jahrhunderte mit entschieden wurde warum Hamburgshafen dort groß geworden ist, wo er heute liegt.
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