400 Jahre Reeperbahn: Vom Schiffstau zur sündigen Meile
Shownotes
Die Reeperbahn ist älter als St. Pauli und hat sich in den vergangenen 400 Jahren immer wieder neu erfunden. Auf diesem Spaziergang entdecken wir, warum die berühmteste Straße Deutschlands einst nach Schiffstauen benannt wurde, wie aus dem Hamburger Berg ein internationales Hafenviertel entstand, weshalb es hier einmal ein Chinatown gab und wie die Reeperbahn zur weltbekannten sündigen Meile wurde. Freut euch auf spannende Geschichten, überraschende Fun Facts und einen Blick hinter die Klischees des Kiezes.
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00:00:00: Diesen Spaziergang machen wir anlässlich eines Geburtstags.
00:00:03: Bevor wir also über die Repa-Bahn schlendern, würde ich sagen was glaubt ihr wie alt die Repabahn eigentlich ist?
00:00:09: Vielleicht hundert Jahre oder zweieinhalb Jahre, die meisten verschützen sich hier gewaltig denn die Repabaan feiert tatsächlich ihren vierhundertsten Geburtstag.
00:00:19: Die Repa Bahn ist sogar älter als Sant Pauli Denn als die Repaban entstand Da hieß dieser Bezirk noch nicht San Pauli, sondern Hamburger Berg.
00:00:27: Er ist in der Stadt von Dreiunddreißig und erhielt der Stadtteil offiziell seinen Namen.
00:00:31: Mit anderen Worten, die Reperbahn war schon da, bevor San Paulie überhaupt san pauli wurde.
00:00:36: Und genau deshalb wollen wir heute nicht über Bars, Nachtklubs oder die Beatles sprechen – zumindest nicht nur!
00:00:41: Sondern über die Geschichte einer Straße, die eigentlich die Geschichte Hamburg selbst erzählt.
00:00:46: Der Name hat nämlich nichts mit Rotlicht feiern und ein Nachtleben zu tun... der stand von den sogenannten Rebschlägern.
00:00:53: Das waren Spezialisten für Schiffstauer und die brauchte Hamburg dringend, denn ohne Taufe fährt kein Segelschiff der Welt.
00:00:59: Sechsundundzwanzig wurden die Reb schläge aus der Innenstadt hier ja vor die damaligen Stattore verlegt.
00:01:06: Der Grund war einfach!
00:01:07: Denn für die Herstellung der Tauhe da brauchten man unglaublich viel Platz.
00:01:10: Wenn je größer die Schiffe wurden desto länger mussten auch die Tauer werden und je länger die Tauher wurden destohlänger mussten die Arbeitsbahnen sein und so entstanden die sogenannten Repa-Bahn.
00:01:22: Wenn wir heute hier in Langlaufen ist das kaum vorstellbar, also wo Nähe und Lichter Bars und Touristen stehen.
00:01:28: da arbeiten früher Männer stundenlang unter freiem Himmel an den Lebensalern der Hamburger Schifffahrt.
00:01:34: Die heutige Repa Bahn erinnert eigentlich nur noch mit ihrem Namen an diese Zeit Denn die eigentlichen Arbeitsbahn verschwanden nach und aus dem Viertel Und auch die Straßenführung ist heute natürlich ganz anders als noch vor vierhundert Jahren.
00:01:47: Wenn wir mal ein bisschen weiterspringen und so um siebzehnhundfünfzig auf der Repa-Bahn sind, wären mir glaube ich immer noch überrascht.
00:01:53: Hier finden wir wirklich Felder, Gärten, einzelne Häuser – die Gegend war wirklich eher ländlich altstädtisch!
00:01:59: Durch Hamburg wuchs jetzt schnell.
00:02:01: Der Hafen boomte – immer mehr Menschen kamen in die Stadt – und innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich der Hamburger Berg zu einem dicht besiedelten Arbeiter- und Hafenfittel.
00:02:10: Hier lebten Menschen die Hamburg am Laufen hierhin eben Hafenarbeiter Handwerker, Tagelöhne Seeleute.
00:02:17: Nicht die reichen Kaufleute bestücken hier das Stadtbild sondern die Menschen, die jeden Tag körperlich arbeiten und das ist bis heute ein Teil der besonderen DNA von San Pauli.
00:02:27: Damit kommen wir aber auch zum Thema dass es bis heute spürbar ist – die Internationalität!
00:02:32: Wenn man wieder ein paar Jahre vorspringt und so um nineteenhundert an einem Samstagabend unterwegs gewesen wäre dann hätte man wahrscheinlich mehr Fremdsprachen gehört als in vielen anderen deutschen Städten im ganzen Jahr.
00:02:43: Der Hafen brachte eben Menschen aus aller Welt hierher.
00:02:45: Engländer, Skandinavien, Amerikaner, Asiaten, Afrikaner – sogar die Chinesen waren hier!
00:02:51: Die Repa-Bahn war schon international lange bevor dieses Wort modern wurde und genau deshalb überrascht viele Besucher eine Geschichte ganz besonders.
00:02:59: Denn rund um die Schmuckstraße befand sich in den neunzigzwanziger Jahren eines der ersten chinesischen Viertel Deutschlands.
00:03:06: Hier leben chinesische Seeleute, Händler und Gastronomen.
00:03:09: Es gab Restaurants, Pensionen und Geschäfte und mitten auf St.
00:03:12: Pauli entstand ein kleines Chinatown.
00:03:15: Heute erinnern nur noch wenige Spuren daran doch es zeigt wie international dieses Viertel schon vor über hundert Jahren waren.
00:03:21: Wenn wir in bisschen Richtung große Freiheit gehen dann sehen wir eine der berühmtesten Straßen Deutschlands.
00:03:26: Der Name klingt wie ein Versprechen wie eine Verheißung bis hin vielleicht auch wie ein Werbeslogan.
00:03:31: Tatsächlich steckt dahinter aber echte Geschichte.
00:03:34: Die Straße gehörte ursprünglich zu Altona und damit gar nicht zur Hamburg.
00:03:38: Das Thema haben wir auch in der Schamze schon gesehen, wo man an noch alte Grenzsteine auf dem Boden findet.
00:03:43: Hier garten aber einfach ganz andere Regeln.
00:03:45: Religiöse Minderheiten durften sich ansiedeln, Gaststätten hatten mehr Freiheiten – manches was innerhalb Hamburgs verboten war, war hier erlaubt!
00:03:53: Die große Freiheit war also schon etwas Besonderes lange bevor die erste Bar hier eröffnete.
00:03:57: Hamburg war ein bisschen so der strenge Kaufmann….
00:04:00: Die große Freierheit war der etwas verrückteren Nachbar.
00:04:03: In den neunziger zwanziger Jahren entwickelte sich die Gegend aber auch zu einem der aufregendsten Vergnügungsviertel Europas.
00:04:09: Jazzluck in der Luft, Charleston wurde getanzt, Varietés und Theater lockten Besucher aus der ganzen Welt an.
00:04:16: Damals ging man nicht einfach feiern, man ging flanieren – man wollte sehen und gesehen werden!
00:04:21: Dort wo heute der berühmte Pennymarkt steht, den man in einer ein oder anderen Spiegel TV-Reportage mal besuchen kann, befand sich eins das elegante Varieté Alcazar.
00:04:30: Und an der Stelle, an der heute Dosenbel verkauft wird, tratten früher also die Stars ihrer Zeit auf.
00:04:35: Apropos Stars ihrerzeit – ganz ohne Beatles kommt man hier natürlich trotzdem nicht aus!
00:04:40: Denn in den Neunzehnten tauchten vier junge Musiker aus Liverpool in Hamburg auf.
00:04:44: Niemand kannte sie und niemand ahnte dass sie die Musikgeschichte verändern würden aber die Beatles spielten Nacht für Nacht in den Clubs rund um die große Freiheit.
00:04:52: Sie verdienten wenig, schliefen vielleicht noch ein bisschen weniger und standen stundenlang auf der Bühne Und später sagten sie selbst, dass Hamburg sie zu einer richtigen Bane gemacht habe.
00:05:02: Ohne die Reperbahn gäbe es die Beatles vielleicht nicht so wie wir sie heute kennen.
00:05:06: Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Repa-Bahn aber erneut.
00:05:10: Die eleganten Varietés verschwanden nach und nach und Striptease-Bars eröffneten.
00:05:14: Sexshows lockten die Besucher an und die Repelbahn erhielt das Image, das ihr bis heute begleitet – die sündige Meile!
00:05:21: Dieses Image war lange Zeit Ehrenmarkel, denn viele Hamburger verschwiegen lieber, daß sie aus San Pauli kam.
00:05:26: Heute reisen Millionen Menschen genau deshalb hierher.
00:05:30: Aber über dieses Kapitel der Repa-Bahn-Geschichte sprechen wir noch mal ausführlicher, über die Nutella-Bande, über den GmbH, über das Ende von Karate Tomy und dem schönen Klaus und allen anderen Loon, die hier so unterwegs war – und darüber was Auftragsmörder Kokain oder die AIDS-Krise mit dem Machtkampf auf San Pauli zu tun hat!
00:05:47: Das wird vielleicht ein bisschen in der kleine True Crime Teil unseres Stadtteilspaziergangs.
00:05:52: Wer glaubt aber die Diskussion über Veränderungendesign neu?
00:05:55: Der liegt falsch.
00:05:56: Schon vor über hundert Jahren beschwerten sich Menschen darüber, dass die Repa-Bahn ihren Charakter verliert.
00:06:01: Als die alten Jahrmarktsbuden auf dem Spielbudenplatz – deshalb heißt er nämlich so – verschwanden und durch feste Gebäude ersetzt wurden, schrieb ein Zeitgenosse damit jeden Stück Poesie
00:06:10: verloren.".
00:06:11: Allein dieses Zitat zeigt das berühmte «Früher war alles besser ist auf San Pauli keine moderne Erfindung».
00:06:17: Es gehört seit Generation zum Inventar und jede Generation erlebt irgendwie ihre eigene Repa Bahn!
00:06:23: Und wenn wir unseren Spaziergang für heute beenden, kann man nochmal drüber nachdenken dass die Repa-Bahn weit mehr ist als eine Partymeile, für die sie heute berühmt ist.
00:06:31: Sie erzählt die Geschichte Hamburgs Die Geschichte von Seeleuten Von Hafenarbeitern Von Künstlern Von Auswandererinnen Musikern Schausstellern und Nachtschwärmern.
00:06:40: Vor allem aber erzählt sie die Geschichte eines Ortes der sich immer wieder neu erfunden hat.
00:06:45: Aus den Rebschlägern wurde ein Arbeiterquartier aus dem Arbeiter Quartier wurde in Vergnügungsvierteln eben die sündige Meile.
00:06:53: Die Beatles kamen, die Touristen, die Hotels dann neue Bewohner, neue Ideen und auch neue Konflikte.
00:06:59: Und jede Generation war überzeugt dass die Reperbahn früher anders war und vielleicht auch mal besser gewesen ist.
00:07:04: Vielleicht hatten sie auch mal alle recht denn die Repa-Bahn ist niemals fertig.
00:07:08: Sie verändert sich seit vierhundert Jahren und vielleicht liegt daran auch ihr größtes Geheimnis und die größte Chance hier.
00:07:14: Sie existiert schon lange aber sie erfindet sich immer wieder neu und ich bin sehr gespannt wie die in oder fünfzig Jahren so aussieht.
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